14.04.2008: Ein paar Gedanken zum Thema: “Wir warten auf die Läufigkeit...”

Wir sind in fiebriger Erwartung. Worauf? Auf die Läufigkeiten unserer Hündinnen Doki und Haruna, die eigentlich schon für Ende Februar fällig gewesen wäre. „Wir“, das sind auch jene Menschen, die zum Teil schon über ein Jahr auf einen Welpen aus unserer Zucht warten. Diese investieren nach reiflicher Überlegung eine Menge Geduld, um einen Welpen von dem Züchter zu bekommen, für den sie sich bewusst entschieden haben. Das ist ein Kompliment – aber wir nehmen das auch als Verpflichtung, wirklich alles in unserer Macht stehende zu tun, damit die “versprochenen” Welpen auch zur Welt kommen.

Von unserer Seite ist organisatorisch alles bestens geregelt. Der Urlaub beim Arbeitgeber steht auf Abruf, der Deckrüde „Tetsu“ steht Gewehr bei Fuß, seine Besitzerin Angelika Ratsch hat sich bereit erklärt, ihn uns mehrere Tage mit nach Hause zu geben, um die Wahrscheinlichkeit eines funktionierenden und Erfolge zeitigenden Deckakts so hoch wie möglich zu machen. Das ist ein Vertrauensbeweis, ein Züchter gibt seine Deckrüden nicht so gern in fremde Hände.

Woran hapert´s?

An dem, das man als Züchter nicht planen kann: An unseren „Mädels“ Haruna und Doki, die nun schon seit Februar hinter Ihrem Zeitplan bezüglich Läufigkeit hinterher hinken. Das können sie mit Sicherheit nicht bewusst tun, aber wenn man mit Shibas zusammen lebt, traut man Ihnen irgendwann fast alles zu... Wie dem auch sei, verspätete Läufigkeiten kannten wir bislang nicht, da waren wir sehr verwöhnt mit unseren pünktlichen Shiba-Damen. Und flugs fangen wir damit an, uns bei ungeduldigen Blicken zu ertappen, fast schon vorwurfsvoll in Richtung derjenigen geworfen, die einen „warten lassen“.

Aber ist es nicht auch diese „Unberechenbarkeit“, die den Reiz ausmacht, mit diesen eigenwilligen kleinen Hundepersönlichkeiten zusammen zu leben? Und sollte man sich als Züchter nicht immer wieder vor Augen führen, dass das, worauf wir so sehnsüchtig warten und worüber wir uns so freuen zwar der natürlichste Vorgang der Welt ist - aber für die Hündin eben auch viel Stress bedeutet? Aber das ist dann wirklich ein anderes Thema. Dieser Hauch von schlechtem Gewissen unseren Welpenabnehmern gegenüber nagt, auch wenn man für die Wartezeit nichts kann. Und „unsere“ Welpenleute sind wirklich welche von der geduldigen, netten Sorte (sonst bekämen sie allerdings auch keinen Welpen von uns...). Eines Hundes körperlich/hormonelle Befindlichkeit lässt sich eben nicht steuern wie ein Busfahrplan. Für uns Kontrollfreaks in der modernen Welt ein willkommener Grund zur Rückbesinnung auf das, was Leben letzten Endes immer ausmacht: Überraschungen, Unvorhersehbarkeiten und unerwartete Wendungen. Doch gerade das macht die Freude daran so groß, wenn eintrifft, was man sich so sehr gewünscht hat: In diesem unserem Fall nicht weltbewegend aber so wunderschön wichtig: die Geburt gesunder kleiner Shibas, die uns auch im Laufe ihres Lebens immer wieder überraschen werden, immer mal wieder ein ganz kleines bisschen zur Verzweiflung bringen und letzten Endes eine so große Bereicherung sind! Also sagen wir zu uns und wohl auch zu den Menschen, die mit uns warten:  Geduld ist eine Zierde – und irgendwann, im nachhinein, werden wir das nicht nur sagen sondern auch empfinden und richtig ein stolz auf uns sein, auf uns und unsere Geduld!

PS: Für die Geduldigen (also auch für uns): Es muss jetzt wirklich jeden Tag soweit sein...