©Burger/Falk

12. Mai 2008:
23. Internationale Rassehunde-Ausstellung in Saarbrücken

Diesen Ausstellungsbericht widmen wir all unseren saarländischen Züchterfreunden. Das Lesen empfiehlt sich eigentlich nur für eben jene, deren Landesmitbürger sowie Einwohner des dem Saarland benachbarten Landes, da ansonsten stellenweise Verständnisprobleme auftauchen könnten!

Das unruhige Trampeln der Räder unseres Kombi waren das erste Anzeichen: Wir hatten die Grenze zum Saarland überschritten und bewegten uns auf landestypisch schlechter Autobahn Richtung Saarbrücken. Die Lüftung unseres Fahrzeugs förderte den Duft nach Schwenkbraten und exzessivem Maggi-Gebrauch in den Innenraum, was jeden eventuellen Zweifel bezüglich unseres Aufenthaltsorts beseitigt hätte. So näherten wir uns dem Austragungsort der internationalen VDH-Rassehundeschau in Saarbrücken, einer Landeshauptstadt mit ganzem eigenem Reiz – den zu ergründen mir bislang nicht gelungen ist.

Vor den Messehallen tobte das übliche Chaos in Form anreisender Hundeliebhaber, die ihre vierbeinigen Schätze in Kombinationsfahrzeugen jeglicher Couleur möglichst nah an den Ausstellungsort heranbringen wollten. Dies führt seit der Existenz von Hundeschauen und Kraftfahrzeugen regelmäßig zu Staus und Wartezeiten, da die Zufahrt zu den Ausstellungsgeländen fast grundsätzlich nur priviligierten Personen erlaubt ist, weshalb der gewöhnliche Aussellungsteilnehmer an den unmöglichsten Stellen wenden muss. Das wissen wir alles aber so leicht lassen wir uns nicht beeindrucken! Und so standen wir dann auch im Stau und wendeten vor dem Ausstellungsgelände – aber mit Stil.

Wenig später kamen wir dann mit unserem „Triumvirat“ auf dem Ausstellungsgelände an: „Gotonoka´s Emiko of duke´s oak“,  „Explorer´s Umemaru“ und  „Yama No Kami Goriki“.  Erstere zur Bewertung, die beiden letzteren zum Erfahrungen sammeln.

Vor den Halleneingängen bildeten sich lange Schlangen aus kleinen, großen, dicken, dünnen, schlapp- oder stehohrigen Hunden mit eben kleinen, großen, dicken oder dünnen Besitzern, deren Ohrform zugegeben etwas weniger differiert als die ihrer Hunde. Schnell ist klar, wer hier der professionellere Aussteller ist: Es gibt High-Tech-Ausstellungskäfige, die man auf Rädern hinter sich her ziehen kann, mit Stauraum für jedwedes Zubehör von der Wasserflasche bis zur ausklappbaren Sitzgelegenheit. Wir hatten damit zu kämpfen, gleichzeitig Klappstühle, Ausstellungspapiere, Verpflegung und eben Hunde von A nach B zu bringen, ohne das eine oder andere fallen oder laufen zu lassen... es ging aber schnell und sehr gesittet voran. Die Gültigkeit der Impfausweise wurde überprüft und man wurde zur Kasse gebeten, da pro gemeldeten Hund nur ein Besucher freien Eintritt hat.

Der erste Blick eines Ausstellers gilt dem Inhalt des Ausstellungskatalogs, den man am Eingang der Ausstellung erhält. Hier erfährt man, in welcher Halle und in welchem Ring die eigene Rasse gerichtet wird. Wichtiger noch: welche anderen Shibas und Shibazüchter sind vor Ort, gegen welche anderen Teilnehmer läuft man Konkurrenz in der jeweiligen Klasse, in der man gemeldet hat.

Unser Emiko sollte mit zwei anderen Hündinnen in der Jugendklasse starten, die ich beide nicht kannte, und so war ich neugierig aber aufgrund des Erscheinungsbildes unserer Hündin sehr optimistisch. Im Endeffekt standen wir dann doch allein im Ring, sieht man mal von Zuchtrichter Guido Schäfer ab: Eine der beiden Konkurrentinnen war nach Auskunft der Besitzerin so abgehaart, dass Sie kaum eine Chance im Ring gehabt hätte. Vom zweiten Hund fehlte nicht nur jede Spur sondern gar der Besitzer. So war uns der erste Platz gewiss, was aber nicht automatisch zu einer guten Bewertung führt. Seinen Hund im Ring vorzuführen, ist jedes Mal ein spannender Akt: Es sind Momente im Leben jedes Rassehundes, in denen er seinen Besitzer voll und ganz in der Hand hat.  Ein schlecht gelaunter, gelangweilter oder genervter Hund, der dies auch noch zeigt kann so schön sein, wie er will: In der Gunst des Richters sackt er oft einige Etagen nach unten. Stellen Sie sich vor, Heidi Klum setzt sich Kaugummi kauend auf den Catwalk, anstatt darauf entlang zu gleiten! Diesbezüglich  hatten wir dann aber keinen Grund zur Klage: Emiko präsentierte sich hervorragend, bekam die Formwertnote „Vorzüglich“ zugeteilt und wurde zur Saarland-Jugendsiegerin gekürt! Daneben erhielt Sie eine Anwartschaft auf den VDH-Jugendchampion. Drei dieser Anwartschaften benötigt ein Shiba, um diesen Titel zu erhalten. Gratulation an Emiko, uns und Emiko´s Züchterin Angelika Ratsch.

Es gab auch wieder etliche Interessenten, die unsere Hunde begutachteten, weil sie von ihrem Erscheinungsbild so angetan waren, die Rasse Shiba aber nach wie vor kaum bekannt ist. Jedes Mal, wenn einer dieser freundlichen Menschen dann zu uns kam, wusste ich, was kommt: „Sieht aus wie ein Fuchs“ ist der Standard-Kommentar, begleitet von der Überzeugung, etwas besonders originelles gesagt zu haben. Ich entschuldige mich hiermit bei jedem Shiba-losen Leser, der dies schon einmal gesagt hat oder vielleicht in Zukunft zu einem Shiba- Besitzer sagen möchte: Lassen Sie es sein und sie gewinnen einen Freund  fürs Leben. Maru und Riki war das natürlich egal, sie freuten sich über jedes Interesse und ließen alles höchst souverän über sich ergehen.

Auf solchen Hundeausstellungen haben die teilnehmenden Aussteller Anwesenheitspflicht bis zu einer bestimmten Uhrzeit (das variiert in der Regel zwischen 15 und 17 Uhr) . Dadurch soll gewährleistet werden, dass nicht sämtliche Aussteller mit Hund nach Hause fahren, sobald der für Sie wichtige Teil, das Richten Ihrer eigenen Hunde, beendet ist. Das würde dazu führen, dass Besucher, die Eintritt bezahlt haben um sich über Hunderassen zu informieren, sich oftmals in halbleeren Ausstellungshallen wieder fänden. Dadurch wird ein solcher Ausstellungstag mit An- und Abfahrt natürlich endlos lang und auch für die teilnehmenden Hunde zur Strapaze. Dieses Faktum führt bestimmt bei manchem Züchter oder Besitzer dazu, Ausstellungen allein schon wegen des Zeitaufwands zu meiden - eine Lösung für dieses Dilemma gibt es wohl nicht. So waren wir froh, als wir dann noch mit unseren Shibas einem sonnigen Abend zu Hause entgegenfuhren und sind gespannt auf Emiko´s weitere Entwicklung! Trotzdem schauten wir leicht wehmütig in den Rückspiegel, als wir Saarbrücken verliessen. Es ist schön gewesen, einmal wieder die Gastfreundschaft dieses natürlichen Völkchens zu geniessen...

Info: Das Saarland trat 1957 der BRD bei und liegt zwischen Frankreich, Luxembourg und Rheinland-Pfalz. Es gibt gut 1 Mio. Saarländer auf einer Fläche von ca. 2.600 qm, Landeshauptstadt ist Saarbrücken. Saarländer und Rheinland-Pfälzer necken sich gegenseitig gerne mit Vorurteilen. Der Saarländer wird oft als etwas muffig tituliert (daher der Name “Muffland”). Auch die Ernährungsgewohnheiten werden regelmäßig karikiert, vor allem die (vermeintliche?)Vorliebe für Fleischwurst (Lyoner), Maggi und Schwenkbraten. Was die Saarländer so über uns Rheinland-Pfälzer sagen, weiss ich gar nicht - aber da gibt´s ja eigentlich auch nichts zu meckern...

©Helmut Burger