Shibas sind schöne Hunde, wunderschöne sogar. Von uns als Züchtern wird dieses Statement nicht überraschen, aber uns ist noch kein Mensch begegnet der diese Einschätzung nicht teilt. Körperliche Schönheit aber ist vergänglich, natürlich auch diejenige des Shiba...

Heute morgen begleitete ich die Shibas auf unserer großen Wiese, während sie die allmorgendliche „Inspektion“ durchführten, ob noch alle Bäume vorhanden sind und so riechen, wie sie sollen...

Nach einer Weile ließ ich sie alleine um zu frühstücken. Etwas später nach dem Frühstück dann rief ich sie ins Haus. Alle kamen – nur Chico nicht. Er ist fast 15 Jahre alt, nicht krank aber schon sehr großväterlich, im Gegensatz zu unseren anderen älteren Shibas fast schon ein bißchen gebrechlich. Johannes Heesters jedenfalls wird er altersmäßig nicht überholen. Unsere Wiese ist sehr groß, so sah ich in der Ferne nur unter einem Busch ein rotes Fellbüschel liegen. ich rief ihn, auch wenn mir klar war, dass dies aufgrund Chico´s stark nachlassendem Hörvermögen ohne Erfolg bleiben musste. Also ging ich zu ihm hin. Er lag da, mit halboffenen Augen, ich sah auch nicht den Brustkorb sich heben und senken. Mir schossen fast die Tränen in die Augen, auch wenn man sich ja eigentlich wünscht, dass ein alter Hund irgendwann einfach so einschläft und nicht mehr aufwacht. Während also der übliche „Du bist ein Mann und weinst nicht“ – Kampf in mir stattfand, ging ein Zucken durch den kleinen Körper und zwei verschlafene, fragende Augen guckten mich verwundert an. Chico erhob sich und schlenderte entspannt und sehr langsam Richtung Haus, mehrmals herzhaft gähnend, während ich hinter ihm herstiefelte und ihm einen Vortrag darüber hielt, dass ich dachte er seit tot und ich ja so froh sei und so weiter und so fort. Ausgesprochen albern, denn unabhängig von dem Faktum, dass ein Hund  nicht den Inhalt des gesagten Wortes versteht, ist Chico ja auch noch fast taub...

Trotzdem ist dieser Vorfall der Anlass der Gedankengänge, die Sie jetzt lesen. Nicht, dass ich Ihnen zum ersten Male nachginge, denn unsere erste Generation Shibas schreitet auf Ihr 15. Lebensjahr zu,  zeitlich mit Windeseile,  körperlich mehr oder weniger schnell. Wir haben das große Glück, dass diese Hunde bislang keinerlei Krankheiten haben, lediglich das Hörvermögen ist bei Robin und Chico auf nahezu Null zurückgegangen. Es hat eine Weile gedauert, das zu realisieren. Wer einen Shiba hat, weiß wieso.

Wie legen sehr großen Wert darauf, dass unsere „Alten“ ihren Lebensabend bei uns verbringen. Wir hängen an ihnen und jeder Besucher soll sehen, dass ein Shiba nicht immer ein niedlicher Welpe oder ein prachtvoller Erwachsener bleibt. Das weiß zwar jeder, doch oft wird es einfach verdrängt. Aber die Akzeptanz dieser Tatsache ist die notwendige Basis dafür, eine Entscheidung über die Anschaffung des Hausgenossen unter Berücksichtigung aller Aspekte zu treffen.

Wenn man sich aber auf dieses Faktum einlässt, dann wird man seine Augen öffnen können für die Schönheit, die jenseits der körperlichen Attraktivität und jugendlichen Verspieltheit darauf wartet, entdeckt zu werden. 15 Jahre sind eine lange Zeit, und in dieser Periode wird man viel mit seinem Hund erlebt haben. Gutes und Schlechtes, das auch nicht immer in Zusammenhang mit dem Familienmitglied „Hund“ steht. Aber er wird einen immer begleitet haben, und all dieses wird man wieder finden, wenn man in die Augen eines alten Hundes schaut. Viel davon ist auf unsere menschliche Reflexion zurückzuführen, alles aber nicht.

Wenn Chico an seinem Lieblingsplatz auf unserer kleinen Wiese – er hat sich eine Kaule unter einem Busch gebuddelt, in die er genau hineinpasst – entspannt in der Sonne döst und sich nicht im geringsten dafür interessieret was um in herum passiert, ist das ein schöner Anblick. Und Robin, unangefochtene 15jährige Chefin ihres Rudels, stand eigentlich immer unter „Strom“, stets bereit, eventuelle Zweifler ihres Status zu disziplinieren. Heute ist ihr das egal und sie ist ein nach wie vor körperlich aktiver, aber sehr ausgeglichener Hund. Imoto ist jetzt fast 13, und die „Grande Dame“ Ihres Rudels. Sie strahlt eine absolut selbstverständliche Autorität aus, die bislang noch von keinem Neuankömmling in Frage gestellt worden ist. Sehr souverän. Und alle drei haben ein großes Bedürfnis nach Zuneigung und Streicheleinheiten. Der Alltag mit unseren Rudeln hat sich verändert: Unsere Hunde haben sehr viel Freiraum, müssen sich aber natürlich auch an gewisse Vorgaben halten. So steht unseren beiden Rudeln abwechseln die große (mehrere 1000 qm) Wiese zur Verfügung, wenn Sie dann ins Haus, auf die Terasse oder einen kleineren Auslauf gerufen werden, kommen alle sofort, bis eben auf unsere Oldies, denn diese hören oft einfach nicht, dass sie gerufen werden. Meistens sehen sie, dass Ihre Kollegen Richtung Haus eilen und kommen mit, manchmal eben auch nicht. Anfänglich genügte dann, in die Hände zu klatschen. Inzwischen benötigte man eine explodierende Handgranate, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das lassen wir aber aus nahe liegenden Gründen bleiben. Zur Zeit erfolgreich ist die Methode, mehrmals in die Luft zu springen, da die damit verbundenen Erschütterungen zumindest von Robin wahrgenommen werden. Bei eventuellen – aufgrund unserer Wohnlage Gott sei Dank raren – Beobachtern unseres Lebensalltags haben wir dadurch sicherlich den Ruf von Fitnessfanatikern...So ist das hin- und herbugsieren unserer Rudel zeitaufwendiger geworden, was zu einer neuen Zeitplanung geführt hat, diese Probleme hat der Einzelhundhalter natürlich nicht. Das aber auch in diesen Körperchen bei Bedarf noch sehr viel Energie ist, zeigt sich vor allem zur Fütterungszeit. Dann entwickelt Chico ein Temperament wie Opa Erwin, wenn Pamela Anderson im Bett auf ihn wartet.

Die Schönheit des Shiba-Alters

Chico geniesst die Sonne

Erlebt zu haben, wie diese Hunde sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert haben war und ist aber wunderschön. Und die Angewohnheit mancher Züchter, Ihre Alttiere grundsätzlich abzugeben (im Einzelfall kann das notwendig sein oder Sinn machen), um Platz für junge Zuchttiere zu machen, hört sich erstmal sehr professionell an, ist aber manchen Tieren gegenüber verantwortungslos. Und diese Verantwortung verlangen wir schließlich auch von unseren Welpenabnehmern!

Ich sehe durchaus, dass Alter oft mit Unbill verbunden ist. Bei einem Hund, der kaum noch was hört, fällt eine wichtige Kommunikationsmöglichkeit flach. Es kann, wie beim Menschen, gehäuftes Auftreten von Krankheiten oder auch Harninkontinenz geben. Das ist mit Arbeit verbunden, traurig und geht ans Portemonnaie. Das wir bislang davon verschont geblieben sind, begünstigt meine etwas positivistisch anmutende Umgangsweise mit dem Hundealter. Unsere alten Shibas scheinen als Rasse wirklich noch recht robust zu sein, eine gesunde Ernährung ohne ständige Experimente oder Essensrest-Auswüchse hat da mit Sicherheit auch das ihre zu getan. Ich befürchte aber, das die positiven Eigenschaften dieser Rasse aufgrund vermehrter, außerhalb der Kontrolle des VDH stattfindender Vermehrung auch die gesundheitliche Robustheit dieser Rasse schädigen werden oder schon geschädigt haben. Wir werden sehen.

Auf jeden Fall freuen wir uns auf jeden Tag mit unseren Shibas, ganz speziell auch mit unseren alten und fürchten uns davor, wenn der Erste von ihnen sich für immer verabschiedet...

Worauf ich mit diesen Ausführungen hinaus will? Auf nichts. Es war eine Anhäufung von Gedanken. Wenn Sie es gelesen haben in der Hoffnung, das da „noch was kommt“, muss ich Sie hiermit enttäuschen.  Und jetzt muß ich raus, das “Chico-Rudel” von der Wiese rufen - und trampeln...

 

 

©Helmut Burger